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Pressemitteilung vom 16. Juli 2009

"Große Akzente, aber nachlässig an der Basis"

Bamberger Grüne diskutierten Halbzeitbilanz nach drei Jahren OB Starke

 

Politiker in Führungspositionen neigen dazu, sich Denkmäler zu setzen, die in Stein gebaut auch noch nach Jahren an sie erinnern. Ein verständliches, aber nicht in jedem Fall gut zu heißendes Unterfangen. Das fanden jedenfalls die Bamberger Grünen, die bei ihrem jüngsten Plenum Halbzeitbilanz nach drei Jahren Amtszeit von Oberbürgermeister Andreas Starke zogen.

"Mit Großprojekten wie der Landesgartenschau, dem Volksparkstadion und dem Hallenbad setzt OB Starke tatsächlich markante Akzente", resümierte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ursula Sowa, "darüber vernachlässigt er aber das weniger öffentlichkeitswirksame stadtpolitische Geschäft wie etwa die Ausstattung der Schulen oder die energetische Sanierung von städtischen Gebäuden." Bei den Schulen schiebe die Stadt einen enormen Investitionsstau vor sich her, obwohl Starke hier mehr Engagement versprochen habe. Gleiches gelte für den Klimaschutz, der sich mehr auf dem Papier als in handfesten Bauinvestitionen niederschlage: "Die Gaustadter Hauptschule erhält ihre energetische Generalsanierung auch nur, weil Gelder über das Konjunkturpaket des Bundes fließen."

In seiner Finanzpolitik habe Oberbürgermeister Starke einen sehr "kreativen Realitätssinn", der sich gut verkaufen lasse, stellte Ursula Sowa fest. Bei genauerem Hinsehen würden neue Schulden der Stadt durch den OB jedoch nicht verhindert, sondern nur verschoben: Entweder an städtische Töchter und GmbHs (wie etwa beim Hallenbad), über Verpflichtungen auf viele Jahre im Voraus (wie etwa bei der Landesgartenschau) oder dadurch, dass Kredite nicht wie geplant zurückgezahlt werden.

Als ein "leeres Versprechen" bezeichnete Sowa auch Starkes Ankündigung, mehr Transparenz in die Stadtpolitik zu bringen. Im Gegenteil gehe Oberbürgermeister Starke den schon vor seiner Amtszeit eingeschlagenen Weg festen Schrittes weiter, immer mehr Entscheidungen, Projekte und auch Diskussionen in die Aufsichtsräte der Tochterunternehmen zu verlegen und so der öffentlich-demokratischen Kontrolle zu entziehen. "Zuweilen wird er dabei von den BürgerInnen gebremst, wie etwa bei der Weinberg-Diskussion oder jetzt beim Hainbad. Von einer Kurskorrektur ist hier aber nichts zu spüren."

Mit Skepsis sieht Ursula Sowa auch die um ein Dreifaches vergrößerte Pressestelle, mit der sich der OB zu einem "PR-Rekordmeister" entwickelt habe: "Nur leider steht oft nicht Information und Vermittlung im Mittelpunkt, sondern Schönreden und Verschleiern."

Positiv bewerteten die Grünen die von Starke neu eingeführte Aktuelle Stunde bei den Vollsitzungen des Stadtrats und das Beschwerdemanagement im Rathaus. Auch dass der Oberbürgermeister gegenüber allen Fraktionen offen und ansprechbar sei, habe – wenn auch vor allem den unklaren Mehrheitverhältnissen geschuldet – eine neue und bessere Qualität in die kommunalpolitische Arbeit gebracht.