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Pressemitteilung vom 7. November 2007

Migranten brauchen Brücken in die deutsche Gesellschaft

Grüne Landesvorsitzende Theresa Schopper besuchte AWO-Migrationssozialdienst

 

Solche Projekte müsste es viel mehr geben – da waren sich die TeilnehmerInnen eines Gesprächs zwischen den Grünen und dem Migrationssozialdienst der AWO einig. Gemeint ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bamberger Universität und der AWO, gesponsert von der Robert-Bosch-Stiftung: Russische Lehrerinnen geben dort Unterricht für Englisch, Russisch und Deutsch. "Bei allen teilnehmenden Jugendlichen, deren Muttersprache Russisch ist, haben sich die Noten in den sprachlichen Fächern um mindestens eine Stufe verbessert", wusste Besaret Penzkofer, die Leiterin des AWO-Migrationssozialdienstes, zu berichten.

Das fand auch Theresa Schopper, die Landesvorsitzende der Bayerischen Grünen, die in Bamberg zu Gast war, beeindruckend. Sie kritisierte, dass in der Politik viel über Integration geredet werde, der Sozialhaushalt von der CSU-Mehrheit im Landtag jedoch massiv gekürzt worden sei. "Herr Beckstein will nun nach eigenen Worten der Ministerpräsident aller Menschen in Bayern sein – wir sollten ihn beim Wort nehmen."

Besaret Penzkofer bestätigte, dass hier noch viel mehr Gelder für Migrantenfamilien notwendig wären. Die AWO bietet ihr zufolge vielseitige Integrationsangebote für die Bamberger MigrantenInnen an (z.B. Integrations- und Konversationskurse, außerschulische Angebote, interkulturelle Mediation...) obwohl nur eine einzige reguläre Stelle in der AWO für die Migrationserstberatung über das BaMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) finanziert wird. "Das ist zu wenig", meint Penzkofer. Zumal nicht nur Neuankömmlinge in Deutschland eine solche Beratung bräuchten, sondern auch Menschen, die schon länger in Deutschland leben. "Sie haben oft Probleme damit, dass ihre beruflichen Qualifikationen aus dem Herkunftsland nicht anerkannt werden und sie deshalb Putzstellen annehmen müssen, es gibt Generations- und Kulturenkonflikte in der Familie oder Probleme in der Nachbarschaft, bei Behörden, Schulen oder im Arbeitsamt. Migrantenfamilien brauchen Brücken in die deutsche Gesellschaft."

Die AWO berät auch die Hilfesuchenden, die bereits länger in Bamberg leben, obwohl es dafür keine öffentlichen Zuschüsse gibt. Auch die Sprachkurse reichen längst nicht aus, betont Penzkofer. "Viele Menschen wollen deutsch lernen, weil sie natürlich erkennen, dass sonst gar nichts geht." Am schlimmsten ist ihrer Erfahrung nach die "Halbsprachigkeit". Es sei weniger erheblich, welche Sprache ein Kleinkind von seinen Eltern lerne. Wichtig sei, dass es diese Sprache ordentlich, mit gutem Wortschatz und korrekter Grammatik beherrsche.

"Darauf kann man dann mit einer zweiten Sprache aufbauen", so Penzkofer. "Schwer wird es erst dann, wenn Kinder sowohl im Deutschen als auch in der Herkunftssprache kauderwelschen, weil ihnen dann die Basis fehlt."

GAL-Stadträtin Kiki Laaser forderte, dass die deutsche Gesellschaft die Ressourcen der Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Land zu schätzen lernt. "Menschen mit Kompetenzen in mehr Sprachen und zwei Kulturen sind ein Gewinn, der sich volkswirtschaftlich sogar in bare Münze umsetzen kann."