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Pressemitteilung vom 5. Mai 2000

"Ja, aber ..." zur City-Passage

GAL und Land-Grüne erörterten Chancen und Bedenken

 

"City-Passage ja – aber ohne zusätzliche Verkehrsbelastung und ohne Schaden für Einzelhandel und Weltkulturerbe." Auf diesen Konsens einigten sich die Teilnehmer eines gemeinsamen Plenums von GAL und Landkreis-Grünen, bei dem das geplante Einzelhandelszentrum beim ZOB kontrovers diskutiert wurde.

Grundsätzlich sei eine Aufwertung dieses Areals und der gesamten City sehr begrüßenswert, meinte GAL-Fraktionsvorsitzende Ursula Sowa. Die Geschäftsleute in Bamberg dürften sich aber auch nicht blenden lassen, warnte sie. "Die geplante Verkaufsfläche von 11.000 Quadratmetern – so groß wie Hertie – ist überdimensioniert und könnte einen Verdrängungswettbewerb provozieren, der dem City-Einzelhandel eher schadet als nutzt." Vor allem die kleinen, mittelständischen und selbständigen Einzelhandelsgeschäfte seien dann in ihrer Existenz bedroht, lautet auch die Befürchtung von Bernd Fricke, Kreisrat der Grünen. Das Sortiment der City-Passage müsse das bestehende Innenstadt-Angebot ergänzen.

Ursula Sowa will außerdem darauf achten, dass städtebaulich mit dieser Stelle "sehr sensibel" umgegangen wird. "Es handelt sich immerhin um ein Projekt mitten im Weltkulturerbe, das sich in gewachsene Strukturen einfügen muss." Sie forderte deshalb eine ausführliche denkmalpflegerische Grundlagenermittlung, die den konkreten Planungen zugrundegelegt wird. Klar betonten die Stadt- und Land-Grünen auch, dass die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens mit entsprechender Bürgerbeteiligung für sie eine "Mindestforderung" darstelle.

Mit großer Skepsis sahen alle Plenums-Teilnehmenden die Einbettung der geplanten Tiefgarage mit 380 Stellplätzen in ein stimmiges Verkehrskonzept. "Angesichts gefährlich hoher Ruß- und Benzolwerte ist es ein Hohn, noch zusätzliche Anreize für Autofahrer zu schaffen, ins Herz der Innenstadt zu fahren", meinte die Vorsitzende der Grünen-Kreistagsfraktion, Helga Bieberstein. "Noch mehr Verkehr ist den Anwohnenden in der Innenstadt schlichtweg nicht mehr zuzumuten." GAL-Stadtrat Peter Gack erinnerte an eine von der Stadt in Auftrag gegebene, aktuelle Studie, die gerade erst festgestellt habe, dass es keinen Bedarf an zusätzlichen Stellplätzen in der City gebe. "Aus dem Gutachten geht sogar hervor, dass die vorhandenen Parkplätze zu durchschnittlich 32% frei seien", so Gack. Zudem würden täglich an die 40.000 Fahrgäste des ÖPNV bis vor die Haustüre der geplanten Passage gefahren. "Das kann eine Tiefgarage mit 380 Plätzen nicht einmal annähernd leisten."

Bernd Fricke betonte, dass es für die Projekt-Planung eine hervorragende Ausgangsituation gebe: Die bald fusionierte Sparkasse sei Projekt-Trägerin, sie sei dem Gemeinwohl verpflichtet und werde direkt von den politischen Kräften in Stadt und Landkreis beeinflusst. "Diesen Gestaltungsspielraum müssen Stadt und Land ausnutzen, um das Beste für die City und die dort lebenden und arbeitenden Menschen herauszuholen." Noch im Mai ist von GAL und Grünen ein Gespräch mit Landrat Denzler und Kreissparkassenvorstand Gottschall geplant, um sich, so Fricke, "über Planungen und Bedenken auszutauschen".