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Pressemitteilung vom 20. Dezember 2000

Durchgangsverkehr tödlich für Luitpoldeck

Anwohner und Geschäftsleute diskutierten mit GAL über Zukunft des Viertels – Bald verfallenes Bahnhofsviertel?

 

Schnell kam ein überraschender Konsens zustande, als Gäste mit auf den ersten Blick unterschiedlichsten Interessen bei einer öffentlichen Fraktionssitzung der GAL in der Brauerei Spezial diskutierten. Thema war die Zukunft des Viertels um das Luitpoldeck – und der Konsens lautete klar: "Der Durchgangsverkehr muss raus!"

Ted Neumann, selbst Geschäftsmann und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Luitpoldstraße/Königstraße, prophezeite viele leerstehende Geschäfte, wenn alles so bleibe wie bisher. Hausbesitzer bekämen trotz preisgünstiger Mieten Ladenräume und Wohnungen nicht los – schuld sei der immense Durchgangsverkehr von beispielsweise 20.000 Fahrzeugen täglich allein in der Königstraße. Damit in Verbindung stünden folgenschwere Firmenaufgaben wie von Witt und Hergenröder, durch die eine wichtige Kundenschicht weggebrochen sei. Bei vielen mittelständischen Firmeninhabern stelle sich in der nächsten Zeit die Nachfolge-Frage, so Ted Neumann, aber es sei schon heute abzusehen, dass deren Kinder unter den gegebenen Umständen kaum die Geschäfte übernehmen werden.

Neumann übte harsche Kritik an den kommunalpolitisch Verantwortlichen: "Die Politik muss endlich Farbe bekennen und aufhören, um den heißen Brei herumzureden. Die Leute hier wollen und müssen endlich wissen, woran sie sind." Sonst werde die Gegend rund ums Luitpoldeck über kurz oder lang verfallen und als typisches Bahnhofsviertel enden.

Christian Merz von der Brauerei Spezial erklärte, dass er wegen des Verkehrsaufkommens Schwierigkeiten habe, seine Gästezimmer zu vermieten. Auch in seinem Lokal beschwerten sich immer wieder Gäste, weil man kein Fenster öffnen könne, ohne von Lärm und Gestank belästigt zu werden. Der Gastwirt forderte unter anderem Tempo 30 als einen sinnvollen Schritt hin zu der notwendigen Verkehrsberuhigung.

Mehrere Anwohner aus Steinweg, Nürnberger, König- und Luitpoldstraße machten ebenfalls den Verkehr dafür verantwortlich, dass die Wohnqualität stark nachgelassen habe. Die Lösung könne nur eine massive Verkehrsberuhigung bringen, so der einhellige Tenor, allein schon die überhöhten Messwerte für Ruß und Benzol in diesen Straßen ließen keine andere Wahl. Horst Hauck von der neugegründeten Interessengemeinschaft "Nadelöhr Memmelsdorfer Straße" fand deutliche Parallelen zu seiner eigenen Wohngegend: "Es wurden lange genug Reden geschwungen, jetzt müssen gezielte und konsequente Maßnahmen getroffen werden", verlangte er.

City-Manager Stefan Pruschwitz vom Stadtmarketing-Verein forderte, dass "endlich Zeichen gesetzt werden", um den Leuten hier ein Signal zu geben. Für das Witt-Gelände müsse baldmöglichst eine neue Nutzung gefunden werden. Mit Neumann war er sich einig, dass dort nur kleinteilige Angebote, auch in den Bereichen Freizeit und Dienstleistungen, ein Gewinn für den umliegenden Einzelhandel seien. Hingegen würde ein Großprojekt mit dem entsprechenden Verkehrsaufkommen das Viertel "im Verkehr ersticken" lassen. Allerdings plädierten beide für mehrere Hundert zusätzliche Parkplätze an dieser Stelle, "um den gewünschten Zielverkehr ordentlich abzuwickeln". Daraufhin kam wiederum von seiten der GAL der Einwand, dass dies einer Verkehrsberuhigung eher zuwiderlaufen würde.

In der weiteren Diskussion kamen noch weitere Ideen auf, wie das Luitpoldeck-Viertel wieder aufgewertet werden könnte. Elisabeth Barth, eine Anwohnerin der Königstraße, sah in dem Übergang Kettenbrücke eine wahre Hemmschwelle. "Der Übergang sollte attraktiver sein als eine zum Parkplatz degradierte Brücke, es muss Spaß machen, da hinüberzugehen." GAL-Stadtrat Peter Gack brachte die Idee einer kostenlosen City-Buslinie ein, die Parkhäuser und City verbindet, so dass den Innenstadt-Besuchern keine langen Fußwege entstehen. Stefan Pruschwitz will mit den Verantwortlichen die Einführung einer Linie City-Laubanger überprüfen, um die dortigen Parkplätze als "quasi kostenlosen Park&Ride-Platz für die Innenstadt zu nutzen".