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Pressemitteilung vom 8. November 2000

Stadt profitierte von Zwangsarbeitern

GAL beantragt Beitrag zum Entschädigungsfond

 

Einen Beitrag zum Entschädigungsfond für NS-Zwangsarbeiter soll die Stadt Bamberg nach Meinung der GAL-Stadtratsfraktion leisten. Mit einer Mark pro Einwohner/in könnte die Stadt zumindest symbolisch ihren Willen demonstrieren, das an vielen Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus begangene Unrecht wiedergutzumachen, so ein Antrag von GAL-Stadträtin Petra Friedrich.

Nach Recherchen der GAL haben städtische Einrichtungen wie die Gas- und Wasserwerke, die Nervenklinik St. Getreu oder das städtische Tiefbauamt während der NS-Zeit wesentlich vom Einsatz billiger Arbeitskräfte aus Osteuropa profitiert. "Die Stadt hat also eine direkte moralische Verpflichtung, die sie auch in Zeiten knapper Kassen nicht so einfach von sich schieben kann", meint Friedrich.

Gerade heute, wo Zeichen gegen Rechts gesetzt werden müssten, sei es angebracht, sich auf die eigene Vergangenheit zu besinnen und auch die Konsequenzen daraus zu ziehen. Besonders angesichts der Tatsache, dass dem Entschädigungsfond noch keine Handvoll Bamberger Wirtschaftsunternehmen beigetreten ist, obwohl in zahlreichen hier ansässigen Betrieben Zwangsarbeiter beschäftigt waren, solle die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen.

Nach Auskunft von Petra Friedrich wollen sich der Stiftungsinitiative, die den Entschädigungfond trägt, auch Städte wie München, Darmstadt oder Frankfurt/Main anschließen. Außerdem seien mittlerweile über 40 Stadtwerke und kommunale Versorgungseinrichtungen beigetreten.

Ein wesentliches Anliegen ist es der GAL-Stadträtin, dass sich die politische Spitze Bambergs überhaupt einmal mit dem Thema beschäftigt und Stellung bezieht: "Ich hoffe, dass wir im Stadtrat eine verantwortungsvolle und adäquate Diskussion führen können."